Eintrag 60

Der Skelettmensch

In diesen Tagen und Wochen, in denen aus gegenwärtigen Gründen verstärkt das Risiko besteht, daß wir unsere Mitmenschen und das, womit sie uns konfrontieren, als Heimsuchung und Belastung empfinden, ist mir besonders eine Geschichte wieder eingefallen, die ich selbst ca. 1997 zum ersten Mal gelesen habe. Dargeboten wurde sie mir damals von der fabelhaften Clarissa Pinkola Estés in ihrem schon legendären Buch „Die Wolfsfrau“. Ich habe im Folgenden für diesen bLog die Geschichte etwas stärker hin zu einem Mehrfachbeziehungs-Kontext abgeändert, so wie sie an den Lagerfeuern der Oligoamoren mittlerweile erzählt wird.
In jedem Fall sei auch die ursprüngliche Version, das Buch¹ und die darin noch ausführlichere tiefenpsychologische Ausdeutung des Mythos allen meinen Leser*innen wärmstens empfohlen.

In dem großen Legendenschatz der Oligoamoren wimmelt es von Heroen und Ungeheuern, von Idolen, Sagengestalten und Monstern.
Manche dieser Geschichten haben selbst eine weite Reise hinter sich und stammen aus anderen Kulturen, wie das folgende Beispiel. Die Erzählung, die mal als „Die Skelettfrau“ und mal als „Der Skelettmann“ andernorts bekannt ist, heißt auf dem Eiland der Oligoamory schlicht „Der Skelettmensch“ und wird so neutral wie möglich erzählt, da die Essenz der Legende zu jedem sozialen oder biologischen Geschlecht passen könnte…

Niemand wußte mehr, wie dieses verlassene Menschenwesen einstmals auf den Grund der eisigen See geraten war. Jedenfalls lag es schon einige Zeit am Meeresboden, und die Fische nagten das Fleisch bis auf die Knochen ab und fraßen die kohlschwarzen Augen. Blicklos und fleischlos schwebte es fortan unter dem Wasser, und das Gerippe wurde von der Strömung um- und umgedreht.
Die Fischer*innen der Gegend hielten sich fern von dem entsprechenden Ufer, denn es hieß, daß der Geist eines Skelettmenschen dort umginge.
Doch eines Tages kam ein*e junge*r Fischer*in aus einer fernen Gegend hergezogen und wußte nichts davon. Eine Angel wurde ausgeworfen und unser*e Fischer*in wartete, nicht ahnend, daß sich der Haken der Angel sogleich in den Rippen des Skeletts verfing!
Schon war der Zug zu spüren und unser*e Fischer*in dachte voll Freude: „Oh, welch ein Glück! Jetzt habe ich einen dicken Fisch an der Angel, von dem ich mich lange Zeit nähren kann. Nun muß ich nicht länger auf die Jagd gehen.“
Das Skelett aber, unter Wasser, verstrickte sich immer mehr in der Angelleine des*der ahnungslosen Fischer*in. Fast wäre unser*e Fischer*in dabei ins Meer gefallen, doch dann wurde das Skelett mit aller Kraft aus dem Meer emporgehievt. Aber „Aiii!“, und „Igitt!“ schrie unser*e Fischer*in beim Anblick dessen, was da klappernd, mit Muscheln und Getier bewachsen, in der Leine hing. Dem Scheusal wurde flugs noch ein Hieb mit der Angelrute versetzt, dann floh unser*e Fischer*in so schnell es ging hinfort vom Ufer.
Aber das Skelett hing ja weiterhin an der Angelleine, und da unser*e Fischer*in die kostbare Angel nicht loslassen wollte, folgte das Skelett, wohin der Weg auch ging: Über Erhebungen und durch Vertiefungen blieb das zappelige Skelett so bis zum Einbruch der Nacht auf Verfolgerposition. Doch schließlich war unsere Fischer*in endlich bei der heimischen Hütte angekommen.
In Windeseile keuchend durch den Eingang stürmen und zitternd vor Schreck auf dem gemeinsamen Lager des*der bereits schlafenden Partner*s*in niedersinken war da beinahe eins.
Im Inneren der Hütte herrschte vollkommene Finsternis, und so kann man sich vorstellen, was die beiden Bewohner empfanden, als sie nach einer Weile eine Öllampe entzündeten und nicht weit von ihnen, in einer Ecke der Hütte, ein völlig durcheinander geratener Knochenhaufen lag: Ein Knie des Skeletts steckte in den Rippen, das andere Bein war um die Schulter verdreht – und alles war in die lange Angelleine verstrickt. Der*die Partner*in unsere*s*r Fischer*s*in war erst entsetzt und dann zornig darüber, was da als Anhang ins Haus gekommen war. Doch draußen war es noch kälter geworden und der Wind rüttelte bereits am Gebälk der Hütte.
Was genau die beiden Bewohner*innen dann veranlaßte, die Knochen zu entwirren und alles vorsichtig an die rechte Stelle zu rücken, das wußte später keiner mehr so genau. Vielleicht lag es an der drohenden Einsamkeit außerhalb – aber vielleicht war es auch das warme Licht des gemeinsamen Herdes, welches den Totenkopf des Skeletts nicht mehr ganz so gräßlich aussehen ließ. Beide empfanden jedenfalls plötzlich Mitgefühl mit dem Gerippe.
„Na,na“, murmelten sie leise vor sich hin und verbrachten die halbe Nacht damit, alle Knochen des Skeletts behutsam zu entwirren, sie ordentlich zurechtzurücken und es schließlich sogar in warme Gewänder zu kleiden, damit es nicht länger fror. Danach schliefen sie erschöpft ein und bloß von dem überwundenen Schrecken rannen ihnen noch ein paar Tränen über die Gesichter.
Das Skelett aber kroch nun an ihre Seite, näherte sich mit dem Mund ihren Wangen und trank vorsichtig diese Tränen. Danach trommelte das Skelett auf die Herzen der Schlafenden und begann leise zu singen: „Oh Fleisch, Fleisch, Fleisch…“, und „Oh Haut, Haut, Haut…“. Und je länger es trommelte, desto mehr Fleisch und Haut legte sich auf die Knochen. Das Menschenwesen sang für alles, was ein Körper brauchte, für dichtes Haar, für klare Augen, eine gute Nase, feine Ohren, geschickte Hände, starke Hüften und einen beweglichen Körper.
Und als es fertig war, sang es die Kleider der Bettgefährten fort und kroch zu ihnen unter die Decke. Es schmiegte sich eng an beide, Haut an lebendige Haut. So erwachten alle, eng umschlungen, fest aneinander geklammert.
Es heißt, daß diese neuen Gefährt*innen von diesem Tag an nie mehr Mangel leiden mußten, weil sie sich fortan vor nichts mehr fürchteten, und viele unserer Leute glauben es darum heute noch.

Die Eingeborenen des Eilands der Oligoamory lieben diese etwas gruselige Geschichte, weil sie alles enthält, was eine wirkliche Liebesgeschichte braucht: Die Suche nach dem „nährenden Schatz“, der das ewige „Herumjagen“ beenden soll, das Finden des „Schatzes“, den man aber eigentlich immer erst einmal aufgrund von „Äußerlichkeit“ nicht richtig zu schätzen weiß, eine darauf folgende Phase von Flucht und Ablehnung, schließlich eine „Ent-Wicklung“ und den Mut zu Vertrauen und Entspannung, wodurch die Integration von persönlichen Vergangenheitsängsten und Wunschträumen in eine tragfähige Beziehung gelingt.

Läßt man sich auf die Geschichte ein, so wie die phantasiebegabten Inselbewohner es tun, dann scheint sie insbesondere für einen non-monogamen Kontext wie geschaffen zu sein, der alle Beteiligte ja doch viel wahrscheinlicher mit Möglichkeiten neuer Beziehungsanbahnungen konfrontiert, als die brave „Alte Welt der Monogamie“ es gewöhnlich tut. Frau Estés schreibt über diese „Anbahnungen“:
»Die erste Phase der Liebe wird in Dutzenden von Geschichten aus aller Welt beschrieben. Und auch in dieser Geschichte fängt die*der Fischer*in sich dabei „mehr“ ein, als erhofft wurde. „Oh, das ist ja ein Riesenfisch!“, denkt sie*er voller Vorfreude, nicht ahnend, daß im nächsten Moment eine „Beute“ ans Licht kommt (und „Wasser“ steht ja psychologisch fast immer für unser Unbewusstes!), welche die eigenen Kräfte zunächst einmal überfordert. […] Unbedarfte Fischer*innen wissen noch nicht, was genau sie in Wahrheit suchen, ausgehungert werfen sie die Angel aus, um eine innere Leere zu füllen; die seelisch Verwundeten fischen nach Trostspendern für frühere, schmerzhafte Verluste.
Das vergnügungssüchtige Ich der meisten Liebesfischer*innen ist bei genauerem Hinsehen sogar oft nicht an Liebe interessiert, sondern an unterhaltsamer Zerstreuung. Dann sagt das Ego² Dinge wie: „Ich wollte doch nur ein bißchen Spaß mit XY haben. Warum werde ich plötzlich mit diesen Verwicklungen und Ängsten konfrontiert? Damit will ich nichts zu tun haben!“
[…] Kaum eine*r von uns ist zu Anfang bereit, für eine zutiefst erfüllende Liebe zu arbeiten. Am liebsten wäre es uns, wenn der einmal an Land gezogene „Schatz“ keine weiteren Ansprüche stellen würde. Klar, wir wissen natürlich, daß man sich auf diese Weise nie selbst weiter-entwickeln, und dadurch auch nie selbst für andere zum „Schatz“ werden kann.«

Die Geschichte beschreibt nach diesem wackeligen Start, daß auch mögliche Bestandspartner*innen keineswegs mit Entzücken oder gar sofortiger „Mitfreude“ auf dieses neue „Un-Vertraute“ reagieren, was da mit ins gemeinsam begründete „Haus“ gebracht wird. Da ist es vielmehr wie in der „Geschichte von Anday und Tavitih“: Das „Aufschreckende“ wird, ob man will oder nicht – bewußt oder unbewußt – in jedem Fall mit in das bereits Bestehende „eingeschleppt“. Plötzlich „steht es im Raum“, eine „ganze Welt tritt hervor³“. In der Geschichte steht die entzündete Öllampe wiederum als Symbol für diese Bewußtwerdung, welche das, was da als Anhang im Dunkeln des Unterbewußtseins hereinkam, deutlich „erscheinen“ läßt.
Das „Hereinbrechen“ einer ganzen neuen Welt in eine Bestandsbeziehung konfrontiert alle beteiligten Partner*innen augenblicklich mit dem Thema „Endlichkeit“ (darum ist das Bild eines Skeletts als Neuankömmling wirklich passend!): Sowohl die eigene Endlichkeit und Begrenztheit wird angerührt (u.a. Schwachstellen im Selbstbild wie z.B. alte Wunden und Verletzungen, Angst vor schwindender Attraktivität etc.) als auch die Endlichkeit der Beziehung – und sei es nur, daß diese ab jetzt nicht wieder so sein wird wie noch vor wenigen Augenblicken…

Meine Version der Erzählung deutet an diesem Punkt daher auch zwei mögliche Verläufe an: Vielleicht wird die „gemeinsame Hütte“ nun den bereits aufkommenden Sturm nicht aushalten. Möglicherweise treibt das Geschehene die Bewohner*innen auseinander, wird Einsamkeit (oder meinethalben sanfter: ein Alleinsein) im Außen einer „Auseinander-Setzung“ im Inneren vorgezogen.
Die Geschichte will aber mit dem Beschreiben der anderen Möglichkeit Hoffnung machen: Denn es ist offensichtlich nicht (nur) die Angst vor Einsamkeit, die die Beteiligten aneinander festhalten läßt. Da ist auch das warme Licht von Öllampe und Herd, „welches den Totenkopf des Skeletts nicht mehr ganz so gräßlich aussehen läßt“. Und damit deutet die Geschichte auf die bereits vorhandenen Ressourcen der Bestandsbeziehung – in diesem Fall Licht (dem Willen zur Bewußtmachung) und Wärme (Mitgefühl, Empathie). Und noch mehr: Wie in dem altbekannten Sprichwort vom „goldeswerten Herd“ steht ein solcher auch ganz buchstäblich für eine belastbare, materielle Basis, mit der dort, wo es für zwei reicht, auch für „mehr als zwei“ ein Auskommen gelingen kann.

Doch in der Geschichte ist in diesem Moment eben noch gar nicht sicher, ob dieses „miteinander Auskommen“ überhaupt funktionieren wird. Frau Estés erläutert:
»Wenn die Dinge in einer Liebesbeziehung verwickelt und furchteinflößend werden, sehen die meisten von uns auch schon das Ende nahen. […] Denn tatsächlich ist man nie „vollkommen bereit“, der Zeitpunkt kommt nie gelegen.«
In dem entsprechenden Kapitel ihres Buches betont sie, daß es sich an dieser Stelle meist gerade die Selbstgerechten am einfachsten machen würden, indem diese in einer Krise alles Schwere und Schwierige ablehnten und sich auch noch zu ihrer „Freiheit von solcherlei Niederungen“ gratulieren würden.
Als jungianische Psychologin legt Frau Estés in ihrem Buch das „Schwere“, „Schwierige“ und „Unschöne“ indessen unverblümt als unseren Mangel an Beständigkeit und Durchhaltewillen offen, gepaart mit einem Selbstbild, welches dazu beitrüge, vorschnell zu verurteilen und dabei das Trennende statt das Verbindende betonen würde (Stichwort „Trennungsrealität“):
»Ein Skelett zu entwirren bedeutet, in unendlicher geduldiger Kleinarbeit herauszufinden, auf welche Weise alles zusammenhängt. Und dabei stoßen wir auf den Widerstand des Egos, speziell wenn es um Aufgaben geht, die gleich auf den ersten Blick mit Angst verbunden sind.«

In der Geschichte finden die Protagonist*innen den Schritt zum Mitgefühl, weil sie „bei Licht besehen“ erkennen, daß das, was da in ihr Haus gekommen ist, im Grunde doch ein Mensch ist wie sie selbst. Und das ist ja genau genommen bereits der Kern von Mitgefühl, diese Erkenntnis: „Das da“ fühlt vermutlich das Gleiche wie ich – womit eine Grundlage für wechselseitiges Verstehen begründet wird.
Der deutsche Schriftsteller Julius Grosse schrieb einmal: »Wo sich das Mitgefühl einfindet, ist es bis zur Liebe nur noch ein Schritt.« In der Tat trifft dies in der Geschichte ebenfalls zu, denn zum Mitgefühl muß sich – bevor die Liebe endlich einziehen kann – noch eine weitere „Zutat“ hinzufinden.
Die Aphoristikerin Marie von Ebner-Eschenbach formulierte dahingehend schon 1880: »Vertrauen ist die schönste Form von Mut und wird durch Beständigkeit gebildet.«
Genau um diese Herstellung von Vertrauen unter den Beteiligten geht es im letzten Teil der Legende, nachdem das „erste Durcheinander“ geordnet worden ist. Als Symbol für dieses Vertrauen wird in der Geschichte der Schlaf verwendet, in dem wir ja alle allnächtlich komplett ungeschützt und verletzlich werden. Was in der Erzählung fast wie ein magischer Akt wirkt, ist in Wirklichkeit exakt der „Sprung ins Vertrauen“, für den es den oben erwähnten Mut braucht, weil es um nichts anderes als größtmögliche Selbstoffenbarung für alle Beziehungspartner*innen geht – in den Worten von Frau Estés:
»Die Tränen ziehen das Skelett näher zu dem Paar [der Bestandsbeziehung]. Ohne diese Tränen wäre es ein Knochenbündel – und damit nur bloßes Liebesobjekt – geblieben.
Die Tränen stehen für Trauer und (Selbst)Heilung: Wir alle haben irgendwann einmal gehofft, daß eines Tages jemand kommt, der all unsere Wunden heilt, uns jede Bürde abnimmt. Es kann Jahrzehnte dauern, bevor wir herausfinden, daß niemand uns diese Arbeit abnimmt, schon gar nicht, wenn die eigenen Wunden nach außen projiziert werden, um der innerlichen Beschäftigung mit ihnen zu entgehen.
«

Jetzt kommt es also darauf an, ob der Übergang von einer Phase uneingestandener Ängste (wenn auch bereits von Mitgefühl begleitet) zu größtmöglicher Offenheit und Aufrichtigkeit gelingen wird. Denn nun, wo es um Vertrauen geht, wird sich zeigen, aus welchem Holz auch die anderen Beteiligten in der Beziehung – bzw. in der Geschichte: die Trommeln ihrer Herzen – geschnitzt sind: Wird die Beziehung „Fleisch“ – also Substanz – bekommen, so wie es in der Erzählung offenbar gelingt?

Als Autor dieses bLogs schätze ich die Geschichte von Frau Estés, weil sie darin die Psychologie der Liebe mit den für die Oligoamory wichtigen Motiven von Romantik und Dynamik verbindet:
»Der Skelettmensch führt uns vor, daß Gemeinschaftlichkeit über alle Mehrungen und Minderungen, alle Enden und Anfänge hinweg etwas erzeugt, was wir als wahre Liebe und wahre Hingabe empfinden. […] Im Verlauf einer Liebe werden zahllose Tode gestorben, viele, scheinbar endgültige Endpunkte erreicht, und doch existiert das Wesen der Beziehung fort, solange die Beteiligten begreifen, daß der ewige Wechsel zwischen Werden und Vergehen das wahrhaft Konstante in jeder Beziehung ist. Wer unbewußt davon ausgeht, daß Endpunkte unmöglich schon den nächsten Ausgangspunkt in sich bergen können, ist zu fatalistisch, um auch nur ein einziges sogenanntes Ende innerhalb einer Beziehung zu ertragen. Dann wird der Horror zu übermächtig, um sich voll und ganz auf seine Partner*innen einzulassen, weil solche Hingabe letztlich nichts anderes bedeutet, als sich den Zyklen immer neuer Enden und Anfänge willentlich auszuliefern.«

In der Essenz:
»Die Geschichte beschreibt, was Ängste (=Todesenergie) von einer Beziehung verlangen: Sie verlangen, das Tränen, also echte Gefühle, daß Herz gegeben wird. Sie verlangen, daß alle Beteiligten damit verschmelzen und sie ertragen können, daß ihre Verbindung dadurch weit mehr beinhaltet als „lieb zueinander zu sein“. Sie verlangen, daß Liebe auf gemeinsamen Lernwillen beruht und der Bereitschaft, alten Kräften gegenüberzutreten. […]
Ruhelos liegt die (Todes)Angst unter der Oberfläche jeder Beziehung, und zwar so lange, bis sie es geschafft hat, sich im Bett
[also gewissermaßen im innersten und intimsten Ort] breitzumachen, und es kein Entrinnen mehr gibt. Werden dann Tränen verstehenden Mitgefühls vergossen, werden die Beteiligten tausendfach belohnt […] und alle leben, jawohl, in Glück und Frieden miteinander, ineinander, durch einander fort.«



¹ „Die Wolfsfrau – Die Kraft der weiblichen Urinstinkte“ (urspr. 1992), überarbeitete und erweiterte Ausgabe 1997, Heyne-Verlag; die Autorin Dr. Clarissa Pinkola Estés (*1945) ist Tochter mexikanischer Eltern , promovierte im Bereich multikultureller Studien und klinischer Psychologie, ist aktive jungianische Psychoanalytikerin und Erzählforscherin sowie Trägerin der Ehrenmedaille für Soziale Gerechtigkeit in den USA.

² Frau Estés verwendet den Begriff „Ego“ als jungianische Psychologin für unser selbstentworfenes, eher statisches Selbstbild, welches wir als Eigenbewertung über uns selbst konstruieren. Damit orientiert sich das psychologische „Ego“ tendenziell am „Gewohnten/Herkömmlichen“ und steht Neueinschätzung und Erfahrungserweiterung vermehrt skeptisch gegenüber.

³ Bezieht sich auf das von mir in Eintrag 6 verwendete Zitat der Schriftstellerin Anaïs Nin »daß jeder neue Mensch für eine neue Welt in uns steht, die möglicherweise nicht geboren wurde, bis dieser neue Mensch in unser Leben kommt – und daß nur durch dieses Zusammentreffen erst diese Welt hervortreten kann.«

Und Dank an Ekaterina Kuznetsova auf Unsplash für das geniale Foto!

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