Eintrag 26

Verbunden oder getrennt?

Nachdem ich nun ein halbes Jahr auf dem entlegenen Eiland der Oligoamory verbracht habe, komme ich nicht umher, diesen Zwischenbericht hier niederzuschreiben.
Denn so sehr mich die Insel und ihre freundlichen Bewohner in ihren Bann geschlagen haben, so frage ich mich gleichzeitig auch immer mehr, ob ich selber überhaupt für eine Expedition dieser Größenordnung bereit war – und bin.
Das ist ja so manches Mal die Herausforderung eines jeden Forschungsreisenden: Da bricht man mit Neugierde und Elan zu neuen Ufern auf – und ist manchmal trotz vermeintlich bestem Ansinnen nicht recht auf das vorbereitet, was man schließlich finden wird. Oder – oft ist es ja sogar so, daß man in gewisser Weise „mehr“ (oder „anderes“) entdeckt als man je zu hoffen gewagt hatte. Und sich plötzlich etwas unzulänglich einer größeren und sehr komplexen Wirklichkeit gegenüber sieht.
Als Forscher muß man dabei natürlich immer demütig eingestehen, daß es niemals „objektifizierbare Fakten“ als solche gibt. In alten Zeiten haben das die Wissenschaftler gerne mal geglaubt. Heute wissen wir längst, daß wir selber, die wir forschen, beobachten, zu verstehen suchen, eben keine neutrale „leere Tafel“ sind. Im Gegenteil, alles, was wir erforschen, beobachten zu verstehen suchen, stellt sich immer in den Kontext von dem, was wir in unserem Inneren schon mitbringen – es ist wie durch eine Art eigene Brille zu schauen, die wir eigentlich niemals abnehmen können.

Wenn ich in dieser Weise die oligoamoren Eingeborenen betrachte, dann kommt es mir ab und an vor, als ob uns doch mehr voneinander trennt, als ich zunächst gehofft hatte. Wie eine Art dicke Glasscheibe, die sich zwischen ihnen und mir befindet. Sie scheinen in einem Zustand zu existieren, den die Anthropologin und Autorin Jean Liedloff¹ „Das Kontinuum“ nannte – oder vielleicht besser verständlich mit dem Begriff des Autors Daniel Hess²: Sie leben in einer „Einheitsrealität“ ursprünglichen Glücks.
Wenn das mit der »Glasscheibe« zwischen ihnen und mir stimmen würde, dann würde das wiederum bedeuten, daß ich meinerseits hingegen in einer „Trennungsrealität“ existiere – und dafür gäbe es durchaus so einige Anzeichen. Und nicht nur dieses, daß mich die Oligoamoren manchmal etwas scheu „Ma’Vrik“ nennen – womit die Kinder hier übrigens auch einen aus dem Nest gefallenen Vogel bezeichnen – oder ein Tier, welches seine Herde verloren hat.

Wenn sich die Oligoamoren auf ihrem entlegenen Eiland eine gewisse kindliche Haltung bewahrt haben, dann hätten sie in der Tat noch einen wichtigen Teil „ursprünglichen Glücks“.
In bestimmt mehr als einem dutzend Expeditionseinträgen habe ich z.B. immer wieder um das so bedeutsame Kennzeichen der „Verbundenheit“ gerungen, die mir ein Kernpunkt der ganzen Oligoamory ist. Wenn die Eingeborenen hier nie aus diesem Paradies vertrieben wurden, dann verfügen sie über den großen Segen, daß sie niemals aus diesem Zustand gefallen sind. Täglich Verbundenheit zu erleben ist für sie selbstverständlich – und darum ist ihnen auch das Gefühl „ganz“ – also auch „heile“ – zu sein, niemals abhanden gekommen. Kein Wunder also, daß ich immer wieder fast ehrfurchtsvoll ihre Integrität bewundere und schätze – aber für sie ist dann ja „fortwährend aufrechterhaltene Übereinstimmung des persönlichen Wertesystems und der persönlichen Ideale mit dem eigenen Reden und Handeln“ auch keine Herausforderung wie für unsereins, denn für sie gibt es ja immerzu nur diese eine kohärente Einheit. Und nachdem ich diesen Satz hingeschrieben habe, wundert es mich auch nun nicht mehr, warum sie auf mich alle Zeit so energetisch wirken: Was für eine paradiesische Existenz, da ihre Gehirne auf diese Weise nahezu niemals in den Stress eines „Inkohärenz-Alarms“ geraten – und damit enorme Kapazitäten für friedvollere Prozesse und Kreativität frei haben.(zur Kohärenz siehe vorigen Eintrag 25). „Oligoamorer Flow“ müsste demgemäß eine geradezu phänomenale Erfahrung sein…

Was sagt mir das aber über mich, den Forscher?
Ich bin (leider) kein oligoamorer Einheimischer, ich bin vielleicht gerade mal ein Festländer mit non-monogamer Affinität. Ich stamme tatsächlich aus einer „anderen Realität“ – offenbar aus einer, in der ich mir den direkten Zugang zu einem allgegenwärtigen Gefühl von Verbundenheit sowie zu einer selbstverständlichen Einheit von Sein, Reden und Handeln verbaut habe.
Ich existiere also in einer „Trennungsrealität“.

Selbstverständlich ist es ziemlich leicht, nun diesen Zustand zu beklagen und darauf zu verweisen, daß ich es, als „Bewohner der alten Welt“ nicht besser wissen könne. Schließlich bin ich in einer Gesellschaft der Trennung aufgewachsen, in einem politischen System der Trennung und „die da oben“ sorgen tagtäglich dafür, daß weiterhin auch global vornehmlich das Trennende denn das Verbindende im Vordergrund des weltweiten Diskurses gehalten wird. Ein Klick auf jedes Nachrichtenportal und jedwedes soziale Netzwerk wird dies augenblicklich sehr leicht bestätigen.

„Trennungsrealität“, daß ist aber auch enorm praktisch. Denn auf diese Weise kann ich Kategorien erschaffen, ich erhalte Struktur, Ordnung in meinem Alltag. Und ist Systematisierung und Bewertung in diesem Sinne nicht auch ein kennzeichnendes Merkmal des gesamten Menschwerdungsprozesses? Es mag ja sein, daß die Schlange und ich Teil eines global-ökologischen verbundenen Gesamtzusammenhangs sind – aber am Ende war es schon für meine Vorfahren eine wichtige Eigenschaft, daß sie sich entscheiden konnten: Flucht oder Bleiben? Giftig oder ungefährlich? Anspannung oder Entspannung? Also haben Menschen schon immer täglich dutzende von grundsätzlichen Entscheidungen getroffen; um zu überleben, um sich fortzuentwickeln und um sich die Welt zu erschließen.
Es ist mir wichtig, an dieser Stelle so darauf hinzuweisen, daß auch „Trennungsrealität“ ein Teil der menschlichen Natur ist – ganz sicher ebenfalls der oligoamoren. Und daß Kategorienbildung und Bewertung per se nicht automatisch zu einem „Reich des Bösen“ gehören.

Trotzdem bin ich in meiner „Trennungsrealität“ in gewisser Weise tatsächlich „aus dem Paradies vertrieben“. Denn das, was während der Evolution – und heute noch im Straßenverkehr z.B. – mein Leben sichergestellt hat, daß stellt sich mittlerweile auch auf eine subtile und oft unbewußte Weise gegen mich: Meine Ängste.
Im Neolithikum oder bei Extremsportarten sind sie ja allemal sinnvoll: Die Angst vor Freßfeinden, großer Höhe, vor Dunkelheit, davor allein zurückgelassen oder irgendwo eingeschlossen zu werden – dies alles sind lebensbedrohliche Situationen, vor denen schon unsere Instinkte uns warnen und bewahren wollen. Aber unsere Umwelt zu Beginn des 21. Jahrhunderts, zumal in Mitteleuropa, wird davon längst nicht mehr bestimmt.
In Form von Grundgefühlen, in einer als bedrohlich empfundenen Situation, sind unsere Ängste als biologisches Erbe aber trotzdem geblieben. Und Ängste sind, wie oben beschrieben, eben genau ein Merkmal der kategorienbildenden „Trennungsrealität“: Gefährlich = Schlecht = Meiden // Förderlich = Gut = Aufsuchen.
Da wir Menschen jedoch soziale Wesen sind, und es noch niemals zuvor so viele von uns auf diesem Planeten gab, sind unsere heutigen Ängste vor allem soziale Ängste.
Der zu Beginn dieses Artikels erwähnte Daniel Hess nennt hierbei zuvorderst Angst vor Ablehnung und eventuell Strafe (inklusive Scham), Angst vor dem Alleinsein und Angst vor dem Tod (Begrenztheit, Endlichkeit).

Da Ängste fast immer intensive und buchstäblich markerschütternde Emotionen sind, führt unsere „Angst vor der Angst“ dazu, daß wir unsere Trennungsrealität dazu benutzen, all ihre Erscheinungsformen als „negativ“ zu bewerten – und versuchen sie, um sie nicht spüren oder aushalten zu müssen, sehr häufig stattdessen lieber zu vermeiden, zu bagatellisieren, zu leugnen oder zu verdrängen (was meist heißt: uns anzupassen).
Auf diese Weise trennen wir unsere Ängste, die ja eigentlich Warnzeichen an uns selbst für einen bestimmten Umstand sind, der dringlich zu bewerten wäre, von uns ab.

Der kürzlich verstorbene Familientherapeuth Jesper Juul nannte als wichtigste Werte³ seiner fast 50jährigen Beobachtungserfahrung „Gleichwürdigkeit“, „Integrität“, „Authentizität “ und „Verantwortung“.
Im Licht der „Trennungsrealität“ und unseres daraus entspringenden „Angstmanagements“ ist darauf bezogen gut zu erkennen – woher ein Hauptteil unserer derzeitigen persönlichen Probleme stammt (und warum ich z.B. mich von den Oligoamoren ebenfalls als „getrennt“ erlebe):

Verantwortung, die Jesper Juul konkret „Verantwortlichkeit“ nennt, übernehmen wir auf diese Weise für unser Sprechen und Handeln nämlich nur unvollständig. Der Teil, der an unsere eigenen Ängste rühren würde, ist dabei nämlich der Teil vom Eisberg, der unter der Oberfläche bleibt. Und aus unserer „Angst vor der Angst“ ist es uns auch auf eine etwas schaudernde, unbewußte Weise lieber, wenn diese Seite weiter unter unserer nach außen gezeigten Oberfläche verharrt. Denn für volle persönliche Verantwortlichkeit müssten wir uns zunächst mit den dortigen Ängsten und insbesondere dem, worauf sie uns hinweisen wollen, auseinandersetzen. Und dort lauern Scham vor uns selbst, vor unserer Unzulänglichkeit, unserer Begrenztheit, unseren Schwächen.
Verantwortung übernehmen – trotz dieser Unvollkommenheiten? Das ist ein noch selten geübtes, revolutionäres Konzept, dem auch ich mich noch kaum zu stellen wage…

Daß Authentizität (= echt und wahrhaftig sein) und die schon so oft von mir zitierte Integrität dabei wenigstens zum Teil auf der Strecke bleiben, ist noch viel offensichtlicher. Es muß auf diese Weise ja so sein, daß wir stets einen Teil unserer eigenen Persönlichkeit verschatten. Und das muß für unsere Gegenüber, gerade auch für die Liebsten direkt an unserer Seite furchtbar sein, insbesondere wenn sie unsere innere Ambivalenz und unsere Inkohärenz verspüren und sie sich vielleicht wiederum ihrerseits fragen, ob sie in irgendeiner Weise ursächlich für unsere Widersprüchlichkeit sind (die sich doch z.B. als Zynismus, Übertreibung oder Generalisierung äußern kann).
Und wir selber, die wir nie wagen, ganz und gar „echt“ zu sein? Werden darüber häufig depressiv oder wählen für unser Leben irgendeine Kulisse als Arbeitsmodus, die wir der Außenwelt dauerhaft präsentieren – damit niemand diesen vermeintlich häßlich ängstlichen Teil von uns entdeckt, mit dem wir es selber in uns leider aushalten müssen.
Kommunikationslehrer wie Dr. Brad Blanton, Marshall Rosenberg und Tich Nhat Hanh möchten uns genau darum mit einer manipulationsfreien und aufrichtigen Sprache zueinander bringen, damit wir uns trauen, zu unseren innerlichen Befindlichkeiten zu stehen und diesen auch Ausdruck zu verleihen – denn nur so können wir selbst und die anderen uns wirklich verstehen (Eintrag 20).

Was mir (und vermutlich vielen anderen auch) dann schließlich aber in jedem Fall den Weg zurück zur Einheitsrealität und zurück zur Verbundenheit verbaut, ist die ausbleibende Gleichwürdigkeit. Nicht nur „gleichwertig“ möchten wir sein, sondern „gleichwürdig“, das drückt Jesper Juul mit diesem Wort sehr schön aus. Und dies macht den Weg dahin so schwer. Denn irgendwo in mir gibt es einen ängstlichen Teil, bei dem ich tiefenverunsichert bin, ob der „ok“ ist. Nein, weil der ja ängstlich ist, bin ich nahezu schon überzeugt, daß er „nicht ok sein kann“.
Wer sich jemals mit Verhandlungsstrategien beschäftigt hat weiß, was es bedeutet, wenn eine Seite beim Versuch eines Interessensausgleichs den Eindruck von „ich bin nicht ok“ hat. Es bedeutet in einem Konfliktmodell die Haltung „lose“ (engl. „ich verliere“) einzunehmen. Wer in einer solchen Position feststeckt (und kein „win“ – engl. „ich gewinne“) herbeiführen kann, kann nur noch einen vermeintlichen Erfolg herbeiführen, indem die anderen Beteiligten auch verlieren müssen, also eine „lose-lose-Situation“ entsteht. Was am Ende soviel bedeutet wie „ich bin nicht ok“ – „die anderen sind auch nicht ok“.
Dieses Ergebnis wiederum verbindet sich in schrecklicher Weise mit unserer übrigen Trennungsrealität, denn zusammen mit Kategorien und Bewertungen entfalten sich dort Ausgrenzung und Machtspiele. Weil ich mir eines Teils meiner eigenen Würde nicht bewußt bin, gestehe ich auch den anderen die ihre nicht vollumfänglich zu. Und weil ich zum Überleben trotzdem vor mir selbst das Gesicht irgendwie wahren will, teile ich mir einen Selbstwert zu, über den ich irgendwie Macht ausüben kann (und sei es nur mit übler Nachrede).

Selbstverständlich entfalten sich so herrschaftliche Strukturen, formen sich ganze Gesellschaften und politische Systeme. Auch „die da oben“ mit dem „Willen zur Macht“ streben so an ihre Positionen und Posten.
Letztendliche sind dies aber die Symptome, die Wirkungen – und nicht diese sind es, die mich von meiner ersehnten Verbundenheit abhalten.

Ursächlich bin ich es selbst, in mir drin, der auf seltsame Weise vor sich selbst da und dort Scham empfindet oder schaudert, wenn er sich bei bestimmtem Denken und Handeln erwischt. Der an sich selbst merkt, wann er bestimmte Dinge bloß aus Angst tut oder sagt, der aber niemals zugeben würde, daß dies auf tiefster Ebene hinter seinen Motivationen steckt. Am schlimmsten ist es, wenn diese Ängste irrational sind, so daß man sich quasi selber in so einem Moment geradezu „verrückt“ vorkommt.
Oft sind es aber Ängste, die sehr konkrete Gestalt in uns annehmen können: Angst vor (so oft erlebter) Zurückweisung; Angst, ausgeschlossen oder allein gelassen zu werden. Oder es sind Ängste von Beschämung und Strafe (die wir mittlerweile mehr im Kopf aus uns selbst herabbeschwören), weil wir bemerken, daß wir etwas nicht so sorgfältig erledigt bzw. durchdacht haben – oder erledigen konnten, wie wir es eigentlich gewünscht hätten. Von sich selber ertappt – ein scheußliches Gefühl…
Mit unserer eigenen Begrenztheit leben, vor uns selbst zugeben müssen, daß wir nicht alles beherrschen können, sehr viel weniger als immer perfekt sind, Schwächen und Ungeduld in uns haben, die manche Ziele wirklich außerhalb unserer Reichweite halten, ungestillte oder nicht genügend erfüllte Bedürfnisse, einige vielleicht nonkonform oder schwer kontrollierbar… – in so einigen Momenten kann das mehr Kraft kosten, als wir haben.

Ich schaue hinüber durch die Glasscheibe zu den Oligoamoren in ihrem Kontinuum, in ihrer Einheitsrealität.
Ich glaube, sie wollen mir zeigen, daß ich diese Kraft gar nicht aufzubringen bräuchte, nur weil ich glaube, daß ich immer vor mir selbst bestehen können muß.
Oligotropos, Du bist ein feiner Kerl! “ ruft gerade einer von ihnen – und wenn einen so ein ausgewachsener Eingeborener anschaut, dann glaubt man für einen kurzen Augenblick, daß man vollkommen durchsichtig wäre – und daß der dort drüben wirklich alles von einem meint, wenn er das so sagt.
Ich würde mich auch gerne so sehen.
Ich möchte Vertrauen wagen.
Und werde weiter die Glastür suchen.



¹ Jean Liedloff: „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück: Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit “, C.H. Beck, 2005

² Daniel Hess: „Glücksschule – Glücklich leben & freudvoll lernen“, Novum Verlag, 2014

³ Jesper Juul: „4 Werte, die Kinder ein Leben lang tragen“, Gräfe und Unzer, 2014

Danke an Andrew Ridley auf Unsplash für das Bild.

Eintrag 25

„Hallo – darf ich Dich für ein alternatives Beziehungskonzept begeistern?“

Es gibt wahrlich dümmere Anmachsprüche als diesen – andererseits befürchte ich trotzdem, daß auch mit solch einem Auftakt die Erfolgsaussichten eher gering sein werden.
„Wie und wo kann ich denn sonst Menschen finden, die an Mehrfachbeziehungen interessiert sind?“ Ja, das ist allerdings so eine Gretchenfrage¹ und die Antwort darauf lautet wenig zielführender Weise „Überall und nirgends.“.
Die »schlechte Nachricht« diesbezüglich habe ich ja genau genommen schon in Eintrag 4 geliefert, in dem ich auf Quellen verwies, die darstellen, daß die Zahl von Menschen, die sich konsequent zur nicht-Monogamie bekennen, eher gering ist.
Es gibt indessen auch eine Art »gute Nachricht«, die da lautet, daß sich unsere Lebensentwürfe innerhalb einer persönlichen Biographie wohl noch nie zuvor so stark und wiederholt verändert haben wie die Unsrigen jetzt zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Daran ist insbesondere die Jobflexibilität beteiligt, die in ihrem Gefolge sogleich auch sowohl die Wohnortflexibilität als auch die Flexibilität hinsichtlich eigener Bindungs- und Fortpflanzungsstrategien in Beschlag nimmt. Und auf die ein oder andere Weise erwischt uns dieses gesellschaftlich Diktat alle. Sogar Menschen, die nicht ihre Erwerbsarbeit im Zentrum ihres Lebens haben, weisen heutzutage eine erstaunliche Vielfalt von Umzügen, Ortswechseln und ja, auch Zusammenlebensmodellen auf.
Die Strategien, die wir Menschen zur Bewältigung dieser Herausforderungen wählen, sind so vielfältig wie wir selbst. Und eine der großen Stärken von Homo sapiens ist doch genau genommen seine große Neugierde, anhaltende Lernfähigkeit und die Begabung zur Anpassung. Mit einer klitzekleinen – aber wichtigen! – Einschränkung: Wir brauchen dazu ein bißchen Zeit.
Wenn wir nicht zu der sehr kleinen Avantgarde ultraspontaner Zeitgenossen gehören, stehen die meisten von uns nämlich nicht allzu sehr auf Überrumpelung bzw. die Ankündigung von oder die Aussicht auf rasche Veränderung. Und dazu würde in gewissem Sinne auch unser erster Satz in diesem Artikel gehören – und darum erntet man damit auch nur selten ein erstrahlendes Antlitz und die Erwiderung: „Mensch, auf diese Frage habe ich schon so lange gewartet; setz‘ Dich und erzähl mal! “.
Wieder ist es übrigens hauptsächlich unsere Biologie, die da unserer bisherigen Biographie zur Seite eilt und dabei erst einmal nicht mitzieht. In Eintrag 21 erwähnte ich den Neurowissenschaftler Prof. Dr. Gerald Hüther, der in seinem Buch „Was wir sind – und was wir sein könnten“ erklärt, daß unsere Gehirne grundsätzlich auf Energieeinsparung getrimmt sind und deswegen nichts lieber täten, als bei sanftem Zuckerkonsum vertraute Aufgaben zu erledigen – und auf diese Weise die so bedeutsame »Kohärenz« (=Sinnzusammenhang, Folgerichtigkeit) sicherzustellen. Unsere Gehirne belohnen uns dafür tückischerweise auch noch mit einem Wohlgefühl, „Alles in Ordnung, alles wie es sein soll“, spüren wir dann. Diese Kohärenz bildet die Grundlage für das, was allgemein als »Komfortzone« bezeichnet wird:
Denn auf eine gewisse Weise richten wir es uns alle immer ein wenig bequem in unseren aktuell etablierten Lebensverhältnissen ein. Und das ist auch notwendig, damit wir uns zumindest halbwegs ausreichend Bedürfnisse wie Lebenserhaltung, Sicherheit, Erholung und Struktur erfüllen können (auf die wir dann eventuell aufbauen, um uns irgendeine Form von Gemeinschaftlichkeit, von Kontakt und kreativer Lebensgestaltung zu erschaffen).
Das vertrackte: Weil wir sehr auf das von unseren Gehirnen erzeugte Wohlgefühl der Kohärenz abfahren (dank einem angenehmen Cocktail aus allerlei Belohnungshormonen u.a.), beruhigen wir uns hinsichtlich unserer (selbst)erzeugten Lebensverhältnisse und melden an unsere Gehirne zurück „So will ich es haben, so soll es sein“. Und unsere lieben Gehirne registrieren erfreut die zurückgemeldete Gestimmtheit als anhaltende Kohärenz, schütten noch ein wenig Endorphin aus und geben als Arbeitsmodus die Order: „Weitermachen wie bisher!“.
»Schnell« ist an so einer Komfortzone also eher wenig zu ändern und es würde sich im ersten Moment sogar so anfühlen, als ob wir gegen handfeste eigene Interessen verstoßen würden. Da sieht es also schlecht aus für unsere Werbekampagne in Sachen »alternativer Beziehungskonzepte«, zumindest, wenn wir sie im Direktmarketing an Menschen anwenden, die sich noch nie zuvor wirklich damit auseinandergesetzt haben.

Wenn wir hingegen die Stärken der Spezies Mensch, Neugier, Lernfähigkeit und Anpassungsfähigkeit, für uns arbeiten lassen möchten, dann brauchen wir also einen anderen Ansatz – und der wird wiederum nur dann erfolgreich sein können, wenn auch wir dabei unsere etablierte »Komfortzone« ein Stück weit verlassen oder aufgeben.

Als ich eine weitere Partnerin von mir zum ersten Mal traf, betrat diese damals die Wohnung von mir und meiner Familie, weil sie mit ein paar Freunden von uns dort an einem spirituellen Hauskreis teilnehmen wollte. Der Kontakt war über einen der beteiligten Freunde zustande gekommen, der weitere Teilnehmer*innen gesucht hatte, die Umstände sind jedoch fast beliebig. Fast, sage ich, denn irgendwelche „Beziehungsanbahnungsabsichten“ standen bei dem Hintergrund des Treffens eigentlich nicht im Raum. Das Wort „eigentlich“ wiederum muß ich aus zwei Gründen wählen.
Zum einen etabliert sich irgendeine Form von Beziehung unwillkürlich in jedem Fall, wenn Menschen etwas gemeinsam tun. Es gibt ja den schönen Sinnspruch „Beziehungen hat man immer…“ – und dieser ist selbstverständlich wahr, denn eine Art »Beziehung« habe ich auch zu allen Personen, mit denen ich regelmäßig im Alltag interagiere, seien es Kassierer*innen, Postbot*innen, Automechaniker*innen etc. Immer, wenn eine menschliche Interaktion eine zusätzliche Qualität bekommt, ist Beziehung da: Der Kassierer nimmt Rücksicht auf mein Tempo, weil ich regelmäßig bei ihm in der Schlange stehe; die Postbotin liefert mir mein Lieblingsmagazin knickfrei in die Hand, weil ich sie darum gebeten habe und die Automechanikerin hat schon jedes Mal diesen tragikomischen Blick, wenn ich wiedermal mit einem Wehwehchen meines Mobils in ihre Halle rolle. All diese Personen sind in diesen Momenten für mich nicht mehr »irgendjemand« – und ich bin es nicht für sie. Und das ist hinsichtlich der Beziehungsebene nicht unwichtig: Denn Beziehungen können zwar einen bestimmte Qualität behalten, was sie in einem öffentlichen Rahmen auch meistens tun – aber wir haben immer auch die Möglichkeit, sie durch Engagement zu personalisieren, zu vertiefen und zu stärken.
Zum anderen BIN ich aber innerlich keine vollendet monogame Person und hatte darüber hinaus in meinem Beziehungsleben über weite Strecken das Glück und die Freiheit denken (und sagen) zu dürfen: „Oh, da ist jetzt aber ein interessanter Mensch durch die Tür gekommen. Den würde ich gerne näher kennenlernen. Den finde ich irgendwie sympathisch. Da könnte ich mir »mehr« vorstellen“ (und dieses »mehr« hat bei mir eine Dimension wie in etwa der Marianengraben: Von „Wir können uns zusammen an bunten Fischen erfreuen“ bis hin zu „Gemeinsam in die tiefsten Tiefen“ ist alles möglich).
Selbstverständlich hatte auch ich mich zu dem Zeitpunkt „in meinem Leben eingerichtet“. Ich war Ehepartner, Familienvater, Hausmann – was für mich aber keinen Widerspruch zu obiger Sympathiebekundung darstellte. Mein Gehirn war’s zufrieden, vermeldete Kohärenz und verspürte gleichzeitig einen angenehmen Stimulus sanfter Neugierde auf die Dinge, die da kommen würden.
Und das war eine ziemlich perfekte Kombination für den daraufhin anhebenden Prozess, der gegenwärtig viel zitiert aber selten richtig aufgefasst wird: Das Kennenlernen.
Wir kennen das aus Kino und Fernsehen „Ich hab‘ da gestern jemanden kennengelernt…“. So’n Quatsch. Das Wort besteht aus den Begriffen „kennen“ (Duden: »mit jemandem, etwas [in seinen charakteristischen Eigenschaften] bekannt geworden sein und im Bewusstsein [behalten] haben; mit jemandem vertraut sein«) und „lernen“ (Duden: »sich Wissen, Kenntnisse aneignen; sich seinem Gedächtnis einprägen«) – das wird wohl kaum innerhalb eines Tages möglich sein, zumal bei so etwas Komplexen wie einer anderen menschlichen Persönlichkeit. Da würden unsere Gehirne auch einen schönen Inkohärenzalarm auslösen – passend zum Sturm des Verliebens. Aber „Kennenlernen“? Begründet einschätzen können, ob einen mit einem anderen Menschen etwas verbindet, in einem Maße, daß man es aus seinem Leben am liebsten nicht mehr missen würde? Dazu müssen wir unseren armen Gehirnen deutlich mehr Zeit einräumen. Denn die müssen in der Kennenlernphase Schwerstarbeit verrichten: Sie müssen nicht nur die bisherige Komfortzone voll liebgewonnener Kohärenz öffnen, sondern genau genommen, um die dann verlorene Effizienz wiederzuerlangen, eine neue Komfortzone – jedoch eine integrativere Version als die bisherige – erst einmal wieder erschaffen.
Was dies bedeutet, hat wohl kaum jemand zutreffender beschrieben als der französische Autor Antoine de Saint-Exupéry in seinem Buch „Der kleine Prinz “ (Original 1943):

„Komm und spiel mit mir“, schlug ihm der kleine Prinz vor.
„Ich kann nicht mit die spielen“, sagte der Fuchs. „Ich bin noch nicht gezähmt!“
„Ah, Verzeihung!“ sagte der kleine Prinz.
Aber nach einiger Überlegung fügte er hinzu: „Was bedeutet `zähmen´?“
„Zähmen, das ist eine in Vergessenheit geratene Sache“ sagte der Fuchs. „Es bedeutet, sich `vertraut machen´.“
„Vertraut machen?“
„Gewiß“, sagte der Fuchs. „Noch bist du für mich nichts als ein kleiner Junge, der hunderttausend kleinen Jungen völlig gleicht. Ich brauche dich nicht, und du brauchst mich ebensowenig. Ich bin für dich nur ein Fuchs, der hunderttausend Füchsen gleicht. Aber wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzig sein in der Welt…“
„Ich beginne zu verstehen“, sagte der kleine Prinz.
Der Fuchs sprach weiter: „Mein Leben ist eintönig. Ich jage Hühner, die Menschen jagen mich. Alle Hühner gleichen einander. Ich langweile mich also ein wenig. Aber wenn du mich zähmst, wird mein Leben voller Sonne sein. Ich werde den Klang deines Schrittes kennen, der sich von allen anderen unterscheidet. Die anderen Schritte jagen mich unter die Erde. Der deine wird mich wie Musik aus dem Bau locken. Und dann schau! Du siehst da drüben die Weizenfelder? Ich esse kein Brot. Für mich ist der Weizen zwecklos. Die Weizenfelder erinnern mich an nichts. Aber du hast weizenblondes Haar. Oh, es wird wunderbar sein, wenn du mich einmal gezähmt hast. Das Gold der Weizenfelder wird mich an dich erinnern. Und ich werde das Rauschen des Windes im Getreide liebgewinnen.“
Der Fuchs verstummte und sah den kleinen Prinzen lange an.
„Bitte … zähme mich!“ sagte er.
„Ich möchte wohl“, antwortete der kleine Prinz, „aber ich habe nicht viel Zeit. Ich muß Freunde finden und viele Dinge kennenlernen.“
„Man kennt nur die Dinge, die man zähmt“, sagte der Fuchs. „Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgend etwas kennenzulernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!“

Wenn wir uns jetzt ein Tränchen aus dem Augenwinkel gewischt haben, können wir an diesem kurzen Ausschnitt erkennen, daß dort all die zuvor von mir aufgezählten „,menschlichen Faktoren“ wie Neugierde (aufeinander), Lernwillen (füreinander) und Anpassung (aneinander) enthalten sind. Und mit dem Weizenbeispiel beschreibt Saint-Exupéry sogar gewissermaßen auf lyrische Weise, wie eine neue Erfahrung im Gehirn in den Kontext des bereits Bestehenden harmonisch eingefügt wird, so daß ein neuer, größerer Zusammenhang entsteht und sich wieder die angestrebte Kohärenz etablieren kann.

Was wäre nun also meine Empfehlung in Bezug auf die Frage, wie und wo man Menschen finden kann, die an Mehrfachbeziehungen interessiert sind?
Bevor die neue Besucherin unseres Hauskreises meine (Liebes)Partnerin wurde, war sie vermutlich dutzende von Malen in unserem Haus ein- und ausgegangen. Wir waren in diesem Zeitraum bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten aufeinandergetroffen, bei anderen Bekannten, auf Geburtstagsfeiern, bei Ausflügen – und damit zugleich auch in einem deutlichen Anteil von Alltag (es gibt immer Vorbereitungen, Anfahrten, Absprachen; profanes Zeug eben, die auch Teil von jedem Besonderen sind). Dabei konnten wir beide überprüfen, ob wir wechselseitig in unserem schon „bestehenden Rahmen“ überhaupt Platz hatten und ob so ein Arrangement funktionstüchtig war. In dieser Hinsicht ist es für unsere Gehirne viel wichtiger zu notieren, wie jemand reagiert, wenn sich gerade bei ihr über dem Salat der Deckel vom Salzfass löst, als wie ein glamouröses Outfit für irgendeine Party an der selben Person aussieht…
In den allermeisten mediterranen und romanisch geprägten Ländern finden aus solchen Gründen erste Dates übrigens fast nie 1:1 statt: Neue Menschen werden zunächst in lockerer Runde dem bestehenden Freundeskreis vorgestellt – und oft wird dabei geschaut, ob das »Neue« mit dem bereits »Bestehenden« harmoniert. Und das war übrigens auch bei mir ein entscheidender Faktor: Was zu meinem »Kohärenzgefühl« maßgeblich beitrug war, wie sich meine Bestandspartnerin und meine Kinder mit dem Gast in den nächsten Monaten vertrugen – und ob sich dort selbständig Beziehungen eigener Art zu bilden begannen.

Unsere Gehirne benötigen also ein Spielfeld, auf dem sie einen neuen „Einflußfaktor“ einschätzen lernen können – und der Anteil an Vertrautem muß dabei am besten gerade ausreichend bleiben, um nicht völlig die Kohärenz – die ja auch physikalisch ein „Zusammen-Hängen“ bezeichnet – zu verlieren.
»Dating-Krampf« bedeutet für unsere Gehirne nämlich vor allem »Kampf« – also Stress. Und Stress macht uns unsicher, angespannt, leicht irritierbar und läßt uns ambivalente Signale aussenden – oder macht es bestenfalls eine Weile leicht, eventuell eine bestimmte Fassade aufrecht zu erhalten. Was wiederum für unsere Gegenüber nicht gut ist, da deren Gehirne daraufhin wahrscheinlich Inkohärenz melden werden – und wir wissen ja jetzt, daß dies eher kontraproduktiv ist.

Großmutters Rat (den auch ich nicht immer gerne höre) ist also heute wohl noch immer richtig: Tut etwas, was Ihr gerne tut, etwas, von dem Ihr begeistert seid. Und die Wahrscheinlichkeit ist erhöht, daß Ihr in solchen Kontexten viel eher Menschen treffen werdet, die Ihr dann auch buchstäblich »begeistert« – und die dann ihrerseits angetan von Euch sind…
Ein gemeinsames Interesse (ja, ich meine jetzt wirklich so etwas wie Wandern oder Töpfern) ist für unsere Gehirne nämlich ausgezeichnet, um als das oben erwähnte Spielfeld zu dienen: „Da sind andere Menschen, die tun annähernd etwas Ähnliches wie ich. Das ist gut, so soll es sein…²“.
Den etwas Mutigeren unter uns empfehle ich dahingehend möglicherweise Aktivitäten, bei denen man doch schon etwas mehr von der eigenen Persönlichkeit zeigen muß – aber darum auch bereits mehr von den anderen erfährt. Engagement in einer Selbsthilfe- oder Umweltgruppe ist da gar nicht schlecht – und auch der von mir selbst einstmals genutzte Hauskreis (es muß ja nicht kirchlich sein, es gibt ja auch Meditationsgruppen, Fastenwandern, Yoga etc.) können eine »Kennenlernatmosphäre« bieten.
Und wie schon Saint-Exupéry darstellte, ist Kennenlernen ein allmählicher, sich vertiefender Prozess, der von anfänglicher Sympathie über Freundschaft, Gemeinschaft, Harmonie, Innigkeit, Verbindung, Verbundenheit, Vertrautheit, Zuneigung, und Zusammengehörigkeit bis hin zu tiefer Liebe reichen kann.

Ich nehme an, daß mir einige Leser*innen nun entgegenhalten werden, daß auch im Töpferkurs, in der Naturschutzjugend und beim Mantrensingen bloß monogame Menschen anzutreffen sind, die bei der Erwähnung von Mehrfachbeziehungen bestenfalls etwas wie „So wie Swingen???“ sagen würden.
Statistisch höchstwahrscheinlich. Aber. An dieser Stelle möchte ich den Bogen zum Beginn dieses Artikels zurückschlagen und nochmals auf unsere höchst vielfältigen Biographien hinweisen. All die angesprochenen Gruppen und Tätigkeiten haben den enormen Bonus, daß wir darin auf Menschen jedweden Alters, Geschlechts oder Genders treffen können. Lebensentwürfe und Lebenssituationen sind im Laufe der Zeit sehr wandelbar – unser Bedürfnis nach Verbundenheit, nach sozialem Kontakt, nach Gegenseitigkeit, einem emotionalen Zuhause und ja, nach Liebe bleibt jedoch unser Leben lang. Mit wem will ich mein Leben teilen? Was nichts weniger bedeutet, daß sich unsere Strategien, wie wir zu diesem Bedürfnis stehen und es uns erfüllen können, sich an unser Leben anpassen müssen. Aber daß wir alle uns andere Menschen in unserem Dasein wünschen, denen wir uns zugehörig fühlen möchten, ist, wenn wir nicht gerade soziopathisch veranlagt sind, sicher.
Ob damit immer sexuelle Aktivität einhergeht, einhergehen muß? Dazu empfehle ich eine Haltung einzunehmen, die meinem inneren Marianengraben entspricht:
Der ist 10 km tief und in der großen Dunkelheit da unten ist sicher einiges möglich und vorstellbar. Aber auch das bloße Betrachten bunter Fische knapp unter der Oberfläche gewinnt durch nichts mehr als durch das gemeinschaftliche Teilen dieses Moments mit anderen, geliebten Menschen.



PS: Ausgerechnet Tanzen (wenn es sich nicht gerade um Salsa Rueda, Line Dance o.ä. handelt ) halte ich übrigens, wegen der vorherrschenden Ausübung in Paar-Strukturen, gerade für kein geeignetes Metier, um sich hier auf der Suche nach Mehrfachbeziehungswilligen umzusehen. Die Szene ist zudem gerne geprägt von kleinen Eitelkeiten und äußerlichen Vergleichen, die schnell zu unfriedlichen Dynamiken führen können, wenn versucht wird „auf mehr als einer Hochzeit zu tanzen“…

¹ Unsere »Gretchenfrage« würde demgemäß also lauten „Wie hältst Du es mit der (nicht-)Monogamie?

² Deswegen lernen übrigens viele Menschen potentielle (Liebes)Partner*innen auf der Arbeitsstelle kennen. Neben viel dort verbrachter Zeit gibt es einen gemeinschaftlichen Kontext, vielleicht sogar eine verbindende Zielsetzung.

Danke an Subenja für die Inspiration zu diesem Artikel und Dank an Vidar Nordli-Mathisen auf Unsplash für das Foto.