Eintrag 65

Auf Abwegen! – oder: Bin ich queer?

Als die beiden seinerzeit mit mir zusammenlebenden Partnerinnen und ich vor knapp acht Jahren damit anfingen, uns in unserem damaligen Freundes- und Bekanntenkreis als polyamor zu outen und wir offen unsere Beziehungskonstellation zu leben begannen, waren es zuerst die beiden Frauen, die nahezu sofort mit eigentümlichen Reaktionen konfrontiert waren.
Bemerkenswerterweise als erstes durch die Männer in unserem Bekanntenkreis, die plötzlich eine seltsam unsichtbare Zone unerklärlichen Abstands (sowohl sozial als auch tatsächlich räumlich) zwischen sich und den frischerklärten Non-Monogamistinnen errichteten – so als ob sie urplötzlich von einer merkwürdigen Scheu ergriffen worden wären…
Zur Rede gestellt, enthüllte sich als Ursache dieser männlichen Scheu eine recht staunenswerte Auffassung, die schriftlich fixiert nur schwer anschaulich wiederzugeben ist: Durch ihr Bekenntnis zur ethischen Non-Monogamie hatten sich diese Frauen nämlich offensichtlich eine irgendwie verpönte Normen-Freiheit zugebilligt, welche sie nun dadurch eigentümlich unberechenbar, ja, gewissermaßen geradezu gefährlich erscheinen ließ.
Nicht nur, daß diese Frauen, obwohl sie doch schon mit mir in Beziehung waren, damit die gesellschaftlich Umgangssicherheit gebende 1+1-Formel ausgehebelt hatten (will also heißen: das vorgegebene mononormative Modell, welches genau ein Weiblein für genau ein Männlein vorsieht. Wie also sollte man sie künftig bei gesellschaftlichen Anlässen nun behandeln? Als Halbsingle?, Nichganzverpartnerte?? oder doch gar als Freiwild???).
Nein, durch ihre neue Lebensphilosophie hatten diese Frauen praktisch auch auf unkontrollierbar urtümliche Weise auf ihre sexuelle Natur aufmerksam gemacht, indem sie nun in nahezu obszöner Art mit der Wahl ihres Beziehungsmodells ständig direkt darauf hinwiesen, quasi als lüsterne Zurschaustellung weiblicher Selbstwirksamkeit.
Folglich waren diese Frauen von nun an gewissermaßen „tickende Zeitbomben“, oder besser: tückische, durch den sozialen Raum dümpelnde Treibminen, die – da sie sich ja just in so frivoler Art zu ihren eigenen Bedürfnissen bekannt hatten – unvorhersagbar verhielten: Je-der-zeit könnten sie doch jetzt den Kreis ihrer potentiellen Partner willkürlich erweitern wollen! Und gerade das Fehlen jedes mononormativen Rahmens, der normalerweise taktvolle Rücksichtnahme vor z.B. bestehender Verpartnerung, Verlobung oder gar Ehe gewährt hätte, würde nun keinen Schutz vor solcherlei Avancen mehr gewährleisten. Mehr noch: Vermutlich waren diese polyamoren Wölfinnen ohnehin schon dabei, die Umgebung schamlos nach einem Gebüsch und männlicher Beute auszuspähen, allzeit bereit, ein weiteres Männchen auf diese Weise in den gähnenden Schlund ihrer geöffneten Beziehung zu zerren, fortwährend auf der Jagd, immer hungrig…

Und als schon die Männer so verunsicher reagierten, da war es nur noch ein kleiner Schritt zu den Frauen in unserem Bekanntenkreis, die es ja nun ihrerseits auch nicht mehr riskieren konnten, Freunde, Verlobte oder Ehemänner mit den Poly-Wölfinnen alleine in einem Raum zu zurückzulassen, nun, da sich anscheinend wild gewordene Geschlechtsgenossinnen offen zu solch einer wahrhaft fragwürdig zügellosen Form von Anarchie erklärt hatten. Denn dadurch hatten diese moralentgrenzten Hormonbomben ihre fakultative Verfügbarkeit doch für jeden Mann im Raum wie eine alles benebelnde Duftmarke propagiert…! Und schon der Volksmund weiß doch, daß Gelegenheit – also Versuchung – Diebe macht, da sollte niemand bei Verstand „seinen“ Mann mit solcherlei Verführung unbeobachtet lassen…

Die augen- oder vielmehr ohrenfälligste weitere Veränderung in unserem sozialen Umfeld betraf uns alle – und zwar immer dann, wenn im Freundeskreis aus einem Gespräch fallweise eine Diskussion wurde. Durch unsere Erklärung zur ethischen Non-Monogamie hatten wir Betroffene nämlich offenkundig eine seltsame Veränderung unseres Denkens, unserer Auffassungsgabe und unserer Herangehensweisen erfahren, die es uns von nun an mutmaßlich erschwerte, wie „normale Menschen“ zu denken und zu argumentieren. Wohl um uns auf dieses entstandene „Übersetzungs-Problem“ aufmerksam zu machen, leiteten unsere Gesprächsteilnehmer*innen uns gegenüber ihren Beitrag ab jetzt auffallend häufig mit der Einleitung „Ich bin ja nicht polyamor, aber…“ ein, worauf meist eine Verwahrung vor unserer Meinung und eine Berichtigung im Sinne des Gegenübers erfolgte. Und das keinesfalls nur dann, wenn Beziehungsansichten im Raum standen. Wichtig schien es indessen allerdings von nun an regelmäßig , mittels des „Ich bin ja nicht polyamor…“ auf eine grundsätzliche Inkongruenz zwischen dem eigenen und unserem möglichen Standpunkt hinzuweisen, egal, welches Thema sich zu entfalten begann.

Mich selbst „erwischte“ es mit voller Wucht tatsächlich erst, als ich mich zur Partner*innensuche auf den seltsamen Dating-Planeten begab, ein Planet, der – wie ich Naivling nur zu bald erfuhr – in der Hauptsache unbeirrt von der Hand des hetero-wie mononormativen Imperiums verwaltet wurde.
Neben einigen, immerhin ausführlich begründeten Zurückweisungen, die ich bereits in meinen Einträgen 40 und 44 niedergeschrieben habe, erntete ich in kurzer Zeit auch Blüten wie „…so ein Miteinander würde mir Angst machen…“, „…unsere Beziehungsbedürfnisse passen in keinster Weise zusammen…“(sic), „…jemand wie du kommt für mich nicht in Frage…“, „…es gibt sicher andere Frauen, die damit umgehen können…“.
Eine traurige Sternstunde erlebte ich schließlich im Forum eines sehr elitären Partnerportals, in dem eine Diskussionspartnerin schrieb: „Verschwinde hier, wir hier haben es schon schwer genug, überhaupt nur einen Partner für uns zu finden!“
Was für eine Sammlung: Angst vor Miteinander, Zuordnung fremdartiger Bedürfnisse (obwohl wir diese doch gemäß Abraham Maslow alle teilen), Zuordnung einer abweichenden Persönlichkeit („wie du“), Zuordnung zu einem andersartigen Kreis von Menschen und – last but not least: diktierter Mangel durch das „Für-jeden-Topf-stets-nur-ein-Deckel-Modell.

Nach einiger Zeit (ok, es waren zwei Jahre) begann es wirklich an mir zu nagen.
Was war das gemeinsame Prinzip hinter all diesen Erscheinungen?
Erst als ich in diesem Frühjahr den amerikanischen KurzfilmTwo Distant Strangers ansah, der aufgrund der Black Lives Matter-Thematik veröffentlicht wurde, da begriff ich:
Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um Diskriminierung.
Und zwar um Diskriminierung einer Person aufgrund eines einzigen Merkmals.
Ein einziges Merkmal, welches für das diskriminierende Umfeld alle anderen Merkmale, Eigenheiten und Eigenschaften einer Person überschreibt. Und damit diese Person, ihre vielfältige Persönlichkeit, entmenscht und auf diesen Einzelaspekt reduziert.
Kompartmentalisierung (Aufspaltung) und Trennungs-Realität in Reinform.

Ich möchte meine Situation nicht am Leid der afroamerikanischen Belange in den USA messen. Aber der daraus entstandene Film verdeutlicht zahlreiche Mechanismen von Diskriminierung in erschreckend sachkundiger und routinierter Form: Diskriminierung, wie sie jede Minderheit, jede Normabweichung weltweit erlebt.
Während ich den Film in den ersten Minuten betrachtete, da dachte ich noch, daß sich die farbige Hauptfigur doch vielleicht wenigstens etwas gemäßigter, etwas deeskalatorischer verhalten könnte, um auf diese Weise seine Umgebung nicht gar zu sehr auf sich aufmerksam zu machen.
Doch je länger der Film lief, umso mehr begriff ich, daß dies nicht der Weg sein konnte: Viel zu willkürlich sind die Zuschreibungen der aburteilenden Umgebung, viel zu zufällig, unvorhersehbar und beliebig gewählt die drohende Unzahl von Dinge, an denen andere Anstoß nehmen könnten.

„Ich bin ein Mensch!“, das wollte ich in den letzten zwei Jahren zunehmend öfter laut ausrufen. „Ich bin ein Mensch mit einer komplexen Persönlichkeit. Ein Mensch, der – neben der Tatsache, daß er sich für ethische Mehrfachbeziehungen einsetzt – auch sonst sehr interessant ist und noch allerlei andere spannende Seiten zu bieten hat!“
Aber die ethischen Mehrfachbeziehungen waren „das eine Merkmal“. War die Hürde, die Mauer, die Barriere, um die kaum mehr jemand herumsehen wollte, wenn er*sie*es mich wahrnahm.

Ich gebe zu, daß es es ein wichtiges Merkmal von mir ist. Ja, auch ein Merkmal, welches ich für mich als durchaus qualifizierend erachte. Ebenfalls eines, was ich eher schnell zur Sprache bringe, weil ich weiß, daß es für viele Menschen in punkto Beziehungsgestaltung ungewöhnlich erscheinen kann.
Genau deswegen ergeht es mir damit wie dem Hauptdarsteller Carter James mit seinem Aussehen: Es ergibt keinen Sinn, mein Merkmal zu mindern, zu verstecken, zu bemänteln, zu verblümen, zu verkleiden, zu beschwichtigen, zu relativieren oder zu mäßigen: Es ist unveräußerlich, immanent, essentiell, innewohnend, spezifisch – und trägt damit natürlich auch zu dem bei, wer und was ich bin.

Davon Free und Martin Desmond Roe, die beiden Regisseure von Two Distant Strangers beantworteten so für mich auf unvorhergesehene Weise eine Frage, die ich mir schon lange gestellt hatte, die sich viele Menschen in der Polyamorie-Szene stellen und die etliche Menschen auf dem Gebiet der ethischen Non-Monogamie seit Jahren umtreibt:
Bin ich queer?

Für die Oligoamory (wenigstens – und für mich) antworte ich heute: JA.

Aber nicht, weil in dem Kurzfilm der farbige Carter von einem weißen Polizisten drangsaliert wird. Damit würde ich queer-Autoren wie Phillip Ayoub¹ oder auch Mortimer Dora¹ Recht geben, die die (Selbst)Zuschreibung von „queer“ so verstanden wissen möchten, daß der Begriff nur von denjenigen verwendet werden sollte, die auch durch ihn unterdrückt werden.
Nein, die Oligoamory ist für mich eine lebensbejahende Philosophie mit einem positiven Menschenbild, welcher ich durch so eine Negativ-Begründung keinen Dienst erweisen würde.

Denn als Mehrfachbeziehungsphilosophie steht die Oligoamory ohnehin bequem und trocken unter dem Dach der sexuellen Emanzipation, wie es von LGBT+– und Queer-Menschen seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurde. Einige dieser Zusammenhänge habe ich in meiner Reihe zur Geschichte der Oligoamory mit den Teilen 1 | 2 | 3 | 4 bereits dargelegt.
Ich habe dadurch vollständigen Respekt vor dem Zeugnis dieser Menschen, die dadurch den Weg bereitet haben, daß ich heute hier über dieses Thema überhaupt schreiben kann.
Und darum möchte ich nicht einfach einen weiteren „schicken Terminus“ unter diesem mittlerweile sehr soliden und unübersehbaren Dach parken, sondern mir den Platz – so klein die Oligoamory auch sein mag – im Gedankengebäude verdienen.

Als bLogger und Gelegenheitsphilosoph hat mich dahingehend die Auffassung der Feministin, Philosophin und Professorin Gudrun Perko zum Thema „Was ist queer?“ fasziniert:

Gemäß Gudrun Perko umfaßt der Begriff „queer“ (den sie als „gegen-die-Norm-sein“ übersetzt) das gesamte Spektrum derer, die nicht hetero- und mononormativen Vorstellungen von Sexualität, binärem Geschlecht oder Beziehungsmodell entsprechen. Verbindend sei dabei, dass die gesellschaftlich vorherrschende Normierung hinterfragt und aufgelöst werde und es Menschen ermöglicht werden solle, ihr Leben mit vielfältigen Formen von sexuellen Orientierungen, Geschlechtsidentitäten oder Beziehungsformen frei von etablierten Normen zu leben.
Gudrun Perko entwickelte aus dieser Herangehensweise die sg. plural-queere Variante, welche radikal offen alle Menschen inkludiert, „die der gesellschaftlichen Norm nicht entsprechen oder nicht entsprechen wollen“. Diese Form des plural-queeren Ansatzes greift auch auf die (deutlich strengere) US-amerikanische Variante zurück, die vehemente Kritik an Hetero- und Mononormativität, geschlechtlicher Binarität, repressiven Identitätsmodellen und Ausgrenzungen bestimmter Menschen übt. Im Zentrum der plural-queeren Variante steht das Bemühen um die „möglichste Vielfalt menschlicher Seins- und Daseinsformen in ihrer Unabgeschlossenheit“.²

Mit ihrem Modell greift Gudrun Perko ein queeres Zentralthema auf, welches als „Dekonstruktivismus“ bekannt ist und in etwa lauten könnte: Nach dem Ausgeschlossenen fragen – und durch Inklusion sich dem Außenstehenden öffnen.
Und genau in diesem Verständnis erkenne ich die aktive Anwendung von Scott Pecks integrativer Formulierung wieder, die ja lautet: „Aus welchem Grund sollte xyz denn nicht teilhaben dürfen?“ (Statt: „Aus welchem Grund sollte xyz überhaupt teilhaben?“, siehe Eintrag 33) – die jedem Gruppen- und Gemeinschaftsbildungsprozeß zu Grunde liegt.
In diesem Sinne wünsche ich mir, daß dieses dekonstruktivistische „Warum denn nicht ?“ hoffentlich ebenfalls ein Kennzeichen der Oligoamory ist.

An dieser Stelle ist leicht zu erkennen, daß dadurch der Kampf gegen Intersektionalität (Intersektionalität = Gleichzeitigkeit von verschiedenen Diskriminierungskategorien gegenüber einer Person) schon immer zur queeren DNA gehört hat. Wie ich in Eintrag 50 bereits kurz angedeutet habe, ist „politisch Sein“ also queeres Kerngeschäft schlechthin:
Themen- und Aktionsverknüpfung mit Bereichen wie Ethnizität, Kultur, Herkunft, Nicht-Identität und Gruppen ohne kollektiven Identitätsbegriff, aber z.B. eben auch Feminismus, religiöse Verfolgung, Ableismus oder Altersdiskriminierung sind unumgänglich, wenn das weiter oben zitierte Haus Bestand für zukünftige Generationen haben soll.
In Eintrag 50 zitiere ich, daß „Politik die stete Auseinandersetzung zwischen der Veränderung oder der Bewahrung bestehender Verhältnisse sei“. Mit der Oligoamory wünsche ich zumindest zu einer Erweiterung, wenn nicht gar einem Wandel, dieser „bestehenden Verhältnisse“ beizutragen. Und in dieser Überzeugung fühle ich mich unter dem queeren Dach wohl, dankbar auf den Schultern derer stehend, die schon seit Jahrzehnten dafür eintreten und eingetreten sind.

Die Queer-Theorie hat mir mit den Autoren Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter übrigens noch eine weitere Überraschung eingebracht, da diese kritisch fragen, ob solcherart queere Unabgeschlossenheit und Offenheit nicht allzu leicht ein Kennzeichen für neoliberalistisches Gedankengut durch die Hintertür sein könnte – bei dem zu bedenken sei, ob dies für die Grundidee überhaupt wünschenswert und förderlich sein könnte?³
Aus der Oligoamory heraus sage ich: „Ja, durchaus, wenn es im Shaftesbury’schen Sinne geschieht! (siehe vorheriger Eintrag)“. Denn der Philosoph Shaftesbury definierte schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts Neoliberalismus im Sinne seines Freiheits- und Autonomiekonzepts als „eine kosmopolitische Grundhaltung ohne übergreifende, zentralistisch gelenkte Einheiten, sowie als Ausdruck einer multipolaren Welt souveräner, freiwillig mitwirkender Elemente“.
Für mich höre ich da sowohl herrschaftskritisches als auch antikapitalistisches Denken heraus, welches sich aus Shaftesburys Hoffnung auf den Menschen als bewußtes, urteilsfähiges und daher (sozial) verantwortliches Wesen speiste.

Oligoamor zu sein, bedeutet folglich auch queer zu sein – „gegen die Norm“, bewußt grenzüberschreitend, absichtsvoll abweichend.
Oligoamor sein heißt, aufgrund von Eigenheit un-angepaßt zu sein, hervorzustechen und dadurch im Zweifel aufzufallen.
Oligoamor heißt menschlich einschließlich und darum gesellschaftlich aufmerksam zu bleiben.
Oligoamor zu sein heißt, dies von innen heraus zu sein: Nicht als Label, als Mode, als Phase, Masche oder Inszenierung, sondern als ein regenbogenbuntes Einhorn-Zebra unter vielen schwarzweißen, welches überzeugt sein vielfarbiges Fell trägt, weil es weder aus seiner Haut kann noch will.

In seinem 2019 veröffentlichten Buch „Würde: Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft“ weist der Autor und Neurowissenschaftler Gerald Hüther auf die aus seiner Sicht bei Artikel 1 des Grundgesetzes („Die Würde des Menschen ist unantastbar“) bestehende Problematik hin, daß dieser Satz von vielen Menschen oftmals darum als unkonkret und irgendwie leer empfunden würde, grade weil sie ihre eigene Würde im Alltag häufig (noch) gar nicht nachvollziehen könnten.
Ich glaube, daß exakt dies in der Welt der Non- und Antinormativität, der Welt der Minderheiten, genau anders ist: Weil sie ihre bunte Andersartigkeit und ihre zur Umgebung oft in Widerspruch stehende Individualität täglich und wöchentlich zu Markte tragen, sind sich die Menschen in diesen Kreisen ihres Wertes und ihrer damit verbundenen unantastbaren Würde meist sehr bewußt.

Es war und ist darum der Beitrag queerer Gruppen und Einzelpersonen, unsere Gesellschaft wach und hellhörig zu halten, daß Menschenwürde kein schwer fassbares, längst triviales Gut ohne konkreten Realwert ist, sondern eine Grundvoraussetzung für eine mitmenschlichere Welt, welche selbst in unseren privatesten Kreisen noch keine Selbstverständlichkeit darstellt.



¹ (nur in englischer Sprache:)
Phillip Ayoub; David Paternotte (28 October 2014). LGBT Activism and the Making of Europe: A Rainbow Europe?. Palgrave Macmillan.
Mortimer, Dora (9 Feb 2016). „Can Straight People Be Queer? – An increasing number of young celebrities are labeling themselves ‚queer.‘ But what does this mean for the queer community?“

² Gudrun Perko: Queer-Theorien: Ethische, politische und logische Dimensionen plural-queeren Denkens. PapyRossa, Köln 2005

³ Heinz-Jürgen Voß, Salih Alexander Wolter: Queer und (Anti-)Kapitalismus. Schmetterling Verlag, Stuttgart 2013

Übrigens: Supergeniale queer-Seite und -Fundgrube mit coolem bLog: https://queer-lexikon.net/

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